Was andere tatsächlich von dir denken…

Hast du dich heute schon mal gefragt, wie andere Menschen dich finden? So nach dem Motto: Hält mein Schwarm mich für attraktiv? Was denkt mein neuer Chef von mir? Mögen mich die Freunde meines neuen Freundes?

Wir sind Experten, wenn‘s um uns geht

In einer aktuellen Studie kommen die Wissenschaftler Nicholas Epley (Verhaltensforscher der University of Chicago) und Tal Eyal (Psychologin an der israelischen Ben-Gurion-Universität) zu folgendem Ergebnis: Wir denken über uns selbst meist ganz anders als über andere.

Konkret heißt das, wir neigen dazu, über uns viel detaillierter als über andere Leute oder deren Aussehen nachzugrübeln. Warum? Weil wir, im Gegensatz zu anderen, eine riesige Menge an Informationen über uns haben. Wir nehmen uns quasi in Hochauflösung wahr, sehen jeden kleinsten Fehler, jedes Härchen, das nicht richtig liegt ganz deutlich.

Trick zeigt, wie andere wirklich über dich denken

Andere sehen uns dagegen viel abstrakter. Das macht es uns aber auch so schwer, uns in diese Personen hineinzuversetzen und uns mit ihren Augen zu sehen. Doch die Forscher haben einen Trick gefunden, mit dem wir erfahren können, was andere über uns denken bzw. wie sie uns tatsächlich sehen.

Betrachte dich durch fremde Augen!

Think different! Der Schlüssel, um herauszufinden, wie andere dich wahrnehmen, liegt darin, dich von den ganzen Informationen, die du über dich selbst hast, zu befreien und dich „durch fremde Augen“ zu betrachten. Und das funktioniert mit dem „Zeit-Trick“.

Wir kennen das Phänomen: Mit der Zeit schauen wir abstrakter und distanzierter auf das, was wir getan haben. Beispiel: Wenn du dir ein Video von dir ansiehst, das gestern aufgenommen wurde, wirst du es anders beurteilen, als ein Video, das mehrere Monate oder Jahre alt ist. Sprich: Je mehr Zeit zwischen dem Jetzt und der Videoaufnahme vergeht, desto mehr beurteilen wir uns selbst so, wie es ein anderer tun würde.

Die Zeit verändert die Sichtweise

Für die Studie ließen die Wissenschaftler Studenten für ein Foto posieren und anschließend ihre eigene Attraktivität einschätzen. Einer Hälfte der Probanden sagte man, ihr Foto würde noch am gleichen Tag von anderen bewertet werden. Der zweiten Hälfte, dass es erst Monate später von anderen beurteilt werden würde.

Das Ergebnis: Die zweite Gruppe schätzte ihre Attraktivität auf andere viel präziser ein. Denn sie beurteilten eher ihr allgemeines äußeres Erscheinungsbild (Brille, Haarfarbe etc.) und fokussierten sich weniger auf aktuelle Details (sieht müde aus …).

Allein der Gedanke, erst in fernerer Zukunft beurteilt zu werden, reichte offenbar schon aus, sich selbst realistischer wahrzunehmen.

Fazit

Die wichtigste Erkenntnis in Bezug auf die Eigen- und Fremdeinschätzung ist laut Epley, dass wir uns nicht so sehr über unser Image sorgen sollten. Denn andere Menschen beurteilen uns nicht annähernd in dem Maße, wie wir es selbst tun.

Eine einfache Übung kann dabei helfen, einen realistischen Blick auf uns zu bekommen. Wenn du dir das nächste Mal die Frage stellst, wie attraktiv dich ein anderer wohl findet, stell dir vor, derjenige würde das in einem halben Jahr beurteilen.

Print Friendly, PDF & Email